Die EU Insolvenz in Irland

Insolvenz in Irland

Das Insolvenzverfahren in Irland gilt als das schuldnerfreundlichste Privatinsolvenzverfahren in der EU. Irland löst England von Platz 1 der EU-Insolvenzverfahren ab. Die Privatinsolvenz in Irland wird durch den Austritt von England aus der EU nicht beeinträchtigt.

Der große Vorteil der Irland-Insolvenz ist, dass Sie nach 12 Monaten automatisch die Restschuldbefreiung, die sogenannte Discharge, erhalten. Nach 12 Monaten sind Sie schuldenfrei.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Hürden, insbesondere die Kosten für Ihre Gläubiger, sehr hoch sind, um sich an einem Insolvenzverfahren in Irland zu beteiligen.

Die Kosten, die der Gläubiger aufwenden muss, stehen in keinem Verhältnis zu den in der Insolvenz zu erzielenden Gelder. Teilweise muss ein Gläubiger zwischen 2.000,- EUR bis 5.000,- EUR zzgl. Flugkosten investieren, um sich am Verfahren zu beteiligen.

Der COMI in Irland zur Durchführung einer Insolvenz in Irland

Damit eine Insolvenz in Irland erfolgreich durchgeführt werden kann, muss im Vorfeld gemäß Art. 3 der Europäischen Insolvenzverordnung der COMI (Lebensmittelpunkt) nach irischen Maßstäben gebildet werden.

Nach Artikel 3 der Europäischen Insolvenzverordnung ist der Lebensmittelpunkt in Irland bei einem Selbstständigen nach 3 Monaten anzunehmen, bei einem Arbeitnehmer nach 6 Monaten.

COMI bedeutet aber nicht, 3 bzw. 6 Monate einen Mietvertrag gehabt zu haben, sondern der Definition nach auch, dass der Lebensmittelpunkt für Dritte von außen sichtbar in Irland liegen muss.

Hierzu gehört unter anderem die Anmeldung bei der Krankenkasse, das Anmelden von Strom und Gas (Wasser ist in Irland kostenlos), Television Licence für ca. 14 EUR (vergleichbar mit der GEZ in Deutschland) und dass Sie ein Einkommen erzielen, auf welches Sie Steuern und Sozialabgaben entrichten. Wir beraten Sie gerne dabei – von der Errichtung Ihres COMI zur Durchführung einer Insolvenz in Irland bis hin zum Abschluss der Insolvenz und der Eintragung in Deutschland und Österreich.

Wir begleiten Sie in Irland auch bei allen Behördengängen und Unternehmensterminen, um somit sicherzustellen, dass Ihr Lebensmittelpunkt für ein irisches Gericht nachprüfbar gebildet wird. Sie werden immer von einem ortskundigen deutschsprachigen Mitarbeiter der Kanzlei Rieger & Partner begleitet, damit keine Fehler gemacht werden können.

Privatinsolvenz in Irland

Eröffnung der Insolvenz in Irland

Nachdem der Lebensmittelpunkt in Irland zur Durchführung einer Insolvenz in Irland gebildet wurde, wird der Antrag auf Insolvenz in Irland eingereicht.

Schritt für Schritt – der Ablauf des Verfahrens einer Privatinsolvenz in Irland

1

Bezahlung der Verfahrensgebühren

2

Vorbereitung der Unterlagen

3

Eidesstattliche Erklärung

4

Beantragung eines Gerichtstermins

5

Der Gerichtstermin

6

Besprechung mit dem Official Assignee

7

1 Jahr Wohlverhaltensphase

8

Automatische Restschuldbefreiung nach einem Jahr

Erster Termin beim PIP (Personal Insolvency Practitioner) zur erfolgreichen Privatinsolvenz in Irland

Anders als bei der Insolvenz in Lettland muss in Irland keine aufwendige Beweisführung mit Vorlage von Urteilen und Rechnungen, Mahnbescheiden inkl. Übersetzung erfolgen. Es reicht die Erstellung und Vorlage der Gläubigerliste.

Sobald die Gläubigerliste und alle Informationen, die vor der Beantragung einer Irland-Insolvenz in Deutschland oder Österreich eingeholt werden müssen, fertiggestellt wurden, gehen wir gemeinsam zum PIP.
Die Position des PIP ist zu vergleichen mit einem staatlichen Insolvenzprüfer.

Die Einschaltung des PIP ist unumgänglich, denn nach irischen Recht müssen vor dem Insolvenzantrag in Irland alle drei bestehenden Alternativen zur Irland-Insolvenz geprüft worden sein.

Die drei Alternativen zur Insolvenz in Irland, welche vorab durch uns geprüft werden, sind:

Der PIP bescheinigt nach einem Tag, dass die Alternativen für Sie nicht in Betracht kommen. Im Anschluss kann die Privatinsolvenz in Irland beantragt werden.

Der Insolvenzantrag in der Privatinsolvenz Irland

Den Insolvenzantrag reichen wir mit Ihnen persönlich beim Examiner’s Office ein. Der Examiner (Prüfer, ob der Antrag vollständig ist) wird nach der Prüfung in nur zwei – drei Tagen einen Gerichtstermin benennen.

Irische Insolvenz - Der Gerichtstermin

Wir werden Sie vor dem Insolvenzgericht in Irland vertreten. Bei einem persönlichen Termin wird unter anderem der COMI durch das Gericht geprüft.

Die persönliche Vorsprache bringt einige Vorteile mit sich. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Lettland, in dem keine persönliche Vorsprache möglich ist, können die sich ergebenden Fragen direkt im Termin geklärt und erläutert werden. Dies spart Zeit und Nerven.

In der Summe bringt eine persönliche Vorsprache immer bessere Resultate als das ausschließlich schriftliche Verfahren wie in anderen EU-Ländern (z. B. Lettland).

Sollten Sie der englischen Sprache nicht mächtig sein, übernehmen unsere Juristen die Übersetzung oder ein vom Gericht bestellter Dolmetscher. Es ist daher nicht erforderlich, ein perfektes Englisch zu sprechen.

Der Richter befragt Sie zu den Umständen der Insolvenz in Irland und überprüft den COMI. Danach wird er die Insolvenz eröffnen.

Gespräch mit dem Insolvenzverwalter

Im Anschluss an den Gerichtstermin benennt der Richter einen Termin, in dem wir mit dem OA (Official Assignee) ein Gespräch über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse führen. Der OA ist der Insolvenzverwalter.

Gläubigerversammlung der Insolvenz in Irland

Im Anschluss wird ein Gläubigertermin bestimmt. Ein weiterer Vorteil einer Insolvenz in Irland ist, dass die Gläubiger persönlich zu einem Termin erscheinen müssen, um die Forderung oder Einwände geltend machen zu können.

Bis heute haben wir jedoch noch keinen Gläubiger gehabt, der tatsächlich zu diesem Termin nach Irland anreiste oder einen Vertreter (Rechtsanwalt) damit beauftragte.

Die Kosten für einen Rechtsanwalt zu diesem Termin sind enorm hoch. Sie belaufen sich auf ca. 2.000,- EUR bis 5.000,- EUR (je nach Forderungshöhe), damit sind diese Kosten im Vergleich zu den erzielenden Geldbeträgen nicht rentabel.

In der Regel kann in einer Insolvenz in Irland der Gläubiger max. 0,02 % (Durchschnitt aller in Irland seit 2014 durchgeführten Insolvenzen) seiner Forderung erzielen. Hierfür mehrere Tausend Euro auszugeben steht dazu in keinem Verhältnis.

Wohlverhaltensphase in Irland

Die 12 Monate der Wohlverhaltensphase laufen im Prinzip sehr unauffällig und dezent ab. In dieser Zeit dürfen Sie über Ihr Konto verfügen und selbstständig agieren.

Erteilung der Restschuldbefreiung in der Irland-Insolvenz

Nach 12 Monaten werden Sie automatisch restschuldbefreit und erhalten darüber eine staatliche Urkunde. Diese Urkunde lassen wir mittels einer Apostille beglaubigen, in die deutsche Sprache übersetzen und bringen diese zur Eintragung in Deutschland oder Österreich. Die Eintragung wird im Vollstreckungsportal der Länder für alle Gerichtsvollzieher ersichtlich, sodass keine Zwangsvollstreckung mehr gegen Sie möglich ist. Die Restschuldbefreiung muss gemäß § 20 der Europäischen Insolvenzverordnung in der gesamten EU anerkannt werden, also auch in Deutschland Österreich. Ein deutsches Gericht hat keine Rechtsgrundlage mehr, um ein Urteil über die erfolgreiche Insolvenz in Irland oder einen anderen EU Mitgliedstaat anzuzweifeln oder gar zu überprüfen.

Insolvenz in Irland – Die Geschichte

Bis 2013 hatte Irland noch eine Insolvenz-Verfahrensdauer von 12 Jahren. Aufgrund dieser langen Wohlverhaltensphase gingen viele Iren und in Irland ansässige Personen zur Durchführung des Insolvenzverfahrens nach England. Dort liegt bereits seit 2003 die Wohlverhaltensphase bei lediglich nur 1 Jahr.

Auch wenn 2013 in Irland die Dauer der Wohlverhaltensphase auf 3 Jahre gesenkt wurde, änderte sich zunächst fast nichts daran, dass die meisten Schuldner nicht das Irland-Insolvenzverfahren durchführten, sondern für eine gewisse Zeit oder auch auf Dauer nach England verzogen.

Die Politik in Irland erkannte recht schnell das Problem, dass die gültige Gesetzgebung für ihre Bürger nicht geeignet war. Dies hatte eine erneute Reform des Insolvenzrechts zur Folge. Die Wohlverhaltensperiode wurde auf 1 Jahr (12 Monate) gesenkt.

Bis heute ist die 1-jährige Wohlverhaltensphase gültig. Seither ist eine Ausreise der Einwohner Irlands nach England nicht mehr gewollt. Im Übrigen wurde die Irland-Insolvenz dem englischen Insolvenzverfahren angepasst. So sind die Vorteile, welche seinerzeit ausschließlich in England vorherrschten, nun auch in Irland zu bekommen.

Im Wesentlichen kann gesagt werden, dass in einer Insolvenz in Irland alle Forderungen, insbesondere solche, die in Deutschland oder Österreich von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen sind, durch die Restschuldbefreiung umfasst sind. Dies schließt selbstverständlich deliktische Forderungen bei der Irland-Insolvenz mit ein.

Das bedeutet, dass auch Forderungen aus Straftaten wie z. B. der Insolvenzverschleppung, Betrug, Diebstahl, Konkurs, Sozialversicherungsbeiträgen, Steuerhinterziehung und viele mehr in der Irland-Insolvenz von der Restschuldbefreiung umfasst sind.

Neben der Reform der Irland-Insolvenz hat Irland ebenfalls umfangreiche Veränderungen hinsichtlich der Ansiedelung von Unternehmen durchgeführt. Es ist daher kein Wunder, warum namenhafte Unternehmen wie Google oder Apple ihren europäischen Wirtschaftsstandort – Niederlassungen in Irland begründeten, um so von den vorteilhaften Steuergesetzen und liberaleren Handelsgesetzen zu profitieren.

Was die wenigsten wissen ist, dass diese Gesetzgebung nicht nur für Großunternehmen errichtet wurde, sondern dass jeder davon profitieren kann. So ist es in Irland möglich, in drei Jahren bis zu 980.000,- € zu verdienen – und das STEUERFREI! Viele unserer Mandanten bleiben daher nach erfolgreicher Insolvenz mit unserer Unterstützung in Irland ansässig. Hinsichtlich dieser Vorteile beraten wir Sie ebenfalls gern.